Von Anfang an bei Gott geborgen
Eltern machen die Erfahrung, daß sie ihre Kinder nicht unentwegt begleiten können. Sie müssen lernen, sie loszulassen. Mit der Erziehung kommt auf sie die Aufgabe zu, die heranwachsenden Kinder in ihren Fähigkeiten zu fördern und zugleich auf die Begrenztheit des eigenen Lebens vorzubereiten. Sie tragen Verantwortung für ihre Kinder. Dabei hilft das Vertrauen, das Leben ihrer Kinder aus der Hand Gottes empfangen zu haben. Es kann eine Entlastung sein, die Kinder von Tag zu Tag unter seinen Schutz zu stellen.
Besondere Einschnitte sind der Beginn der Kindergartenzeit und der Schulzeit. Die Eltern nehmen wahr, wie ihre Kinder mit neuen Bezugspersonen umgehen, von ihnen geprägt werden und die Autorität anderer annehmen lernen. Sie erleben die Eigenheiten der Kinder und müssen sich mit ihrem kindlichen Willen auseinandersetzen.
Das Leben mit einem Kind erfordert viel Phantasie und Kraft. Immer wieder werden von den Eltern Verzicht und Einschränkungen verlangt.
Religiöse Erziehung
Die Fürbitte für das werdende Kind kann der Anfang der religiösen Erziehung werden. Im Gebet für die eigenen Kinder einzutreten, verändert den Blickwinkel der Eltern und ihre Haltung den Kindern gegenüber.
Im engen Kontakt mit der Mutter wächst das Vertrauen. Die Wahrnehmung des Lebens und viele Entdeckungen lassen Kind und Eltern staunen. Daraus kann Dankbarkeit erwachsen. Kinder sind offen für religiöse Erfahrungen. Sie stellen unvermittelt ihre Fragen.
Wenn Mütter und Väter mit ihren Kindern beim Essen oder beim Zubettgehen beten, mit ihnen die kirchlichen Feste gestalten oder geistliche Kinderlieder singen, bekommen die Kinder eine erste Heimat im Glauben. Viele Kinderbibeln und Kinderbücher regen an zum Kennenlernen biblischer Geschichten und zur Beschäftigung mit Glaubensthemen. Die Taufe kann zu einer wichtigen Erfahrung und einem bleibenden Eindruck werden, auf die in der Tauferinnerung von Erwachsenen und Kindern immer wieder Bezug genommen werden kann.
Auf dem Weg zur Selbstständigkeit
Kinder nehmen auf, was ihnen weitergegeben wird. Sie haben kindgemäße Vorstellungen von Gott. Biblische Geschichten sind für sie unmittelbar wahr. Kinder glauben, weil Mutter, Vater, Großeltern oder andere Bezugspersonen es tun. Soll der Glaube Bestand haben, muß er angeeignet werden, muß er wie ein Mensch erwachsen werden.
Jugendliche lehnen oft ab, was Ausdruck der Kindheit war, weil sie einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Auf dem Weg zur Eigenständigkeit fragen sie sich: Wer bin ich? Was paßt zu mir? Was ist für mein Leben wichtig? Glaube muß den Erfahrungen und dem Wissen standhalten. Manche Vorstellungen vom "lieben Gott" zerbrechen. Auch Glauben ist lebenslanges Lernen und Suchen.
Erwachsenwerden heißt auch, die eigenen Wurzeln entdecken, die eigene Herkunft bejahen. Worte und Bilder aus der Kindheit oder aus der Jugend, eine Geschichte aus der Bibel,
der Konfirmationsspruch, eine prägende Begegnung - sie können zu etwas Bleibendem werden, auf das ein Mensch immer wieder zurückkommt, manchmal erst nach langer Zeit.
Erwachsener Glaube lebt mit Anfechtungen. Manche Erfahrung spricht gegen Gott. Wer sich mit anderen darüber austauschen kann, kommt weiter. Gesprächspartner und -partnerinnen sind vor allem Menschen, die ähnliche Erfahrungen und Fragen haben. Im Vertrauen über Glaubensfragen zu sprechen, sollte nichts Außergewöhnliches sein, auch wenn viele heute davor Scheu haben. Auch Bücher können wertvolle Begleiter sein.
Den eigenen Weg finden
Auf dem Weg in die Selbständigkeit lösen sich Kinder und Jugendliche immer mehr von ihren Eltern ab. Eltern müssen loslassen und freigeben. Die Wege trennen sich. Gut ist es, wenn die Eltern gelernt haben, ihren Kindern zu vertrauen und darauf zu hoffen, daß Gott mit ihnen geht. Unter den vielen Angeboten, sein Leben zu gestalten, ist es nicht leicht, zu sich selbst zu finden. Welcher Weg verspricht Erfüllung? Was hält das Leben für mich bereit? Und wie komme ich mit dem zurecht, was mich körperlich, geistig, materiell oder im Blick auf meine Herkunft einschränkt? Gott hat jede und jeden als unverwechselbares Ich geschaffen. Gott ist ein Freund des Lebens, seiner Schönheit, der Liebe, des Schöpferischen. Er schenkt Begabungen und Kräfte. Sie zu entdecken, zu erproben und einzusetzen, gehört zum Glück des Menschen. Auf diesem Weg zur Entfaltung des eigenen Ichs können Vorbilder der Orientierung dienen.
Den eigenen Weg bejahen
In der Bibel wird von vielen Aufbrüchen erzählt. Abraham und Sara werden von Gott aufgefordert, ihre Familie und Heimat zu verlassen und in eine unbekannte Zukunft zu ziehen. Das Volk Israel verläßt Ägypten, weil er befreit und neues Land verspricht. Er geht mit, versorgt, schützt und rettet. Viele Menschen haben das auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft erlebt.
Stationen auf dem eigenen Weg sind das Ende der Schulzeit, die Eheschließung, Geburt eigener Kinder und der Tod von Menschen, denen wir viel verdanken. Die Kirche bietet für diese Übergänge Begleitung an. Die gottesdienstliche Feier aus Anlaß dieser Übergänge versammelt die Gemeinde, die Familie und die Freunde. Hier erfahren sie Gottes Nähe.
Verantwortung übernehmen
Erwachsenes Handeln zeichnet sich dadurch aus, daß Menschen eine Wahl zwischen verschiedenen Lebensmöglichkeiten treffen. Andere Möglichkeiten fallen damit weg, manche für immer. Erwachsenes Handeln zeichnet sich auch dadurch aus, daß ein Mensch lernt, mit dem umzugehen, was ihm in seinem Leben widerfährt. Der Mensch ist begrenzt. "Ich bin endlich - endlich bin ich." Dieses Wortspiel drückt aus: Es bestimmt mein Leben, daß ich es individuell gestalte und alle Erfahrungen und Erlebnisse in meine persönliche Geschichte einordne.
Zum Erwachsensein gehört, Verantwortung zu übernehmen - für sich selbst, für das eigene Leben, für die Gesundheit, für andere Menschen und für die Welt, die wir zu gestalten haben. Das entspricht dem Schöpfungsauftrag Gottes, der dem Menschen Freiheit gibt. Die Gebote der Bibel sind Orientierungsmarken für den Umgang damit. Wer Verantwortung übernimmt, macht auch Fehler und wird schuldig. Gott verspricht zu vergeben. Die Schuld bestimmt nicht sein Urteil über den Menschen. Deshalb sollen Menschen auch ihr Urteil nicht davon bestimmen lassen. Die Aussicht auf Gottes Vergebung läßt sie jedoch dazu stehen

